GESCHICHTE

Der Charakter der Weine aus Valdepeñas ist von ihrer Tradition und vor allem von ihrer Geschichte geprägt, die bis auf mehrere Jahrhunderte vor unserer Ära zurückgeht.

Geschichte des Weinbaus in Spanien

Die in den heutigen Tagen angebauten Reben sind direkte Nachkommen der VITIS VINIFERA, aus der Familie der Weinrebengewächse. Der Weinbau wird seit Tausenden von Jahren betrieben, seit jenen Zeiten, in denen Mythos und Geschichte verschmelzen. Schon in Babylon und im Alten Ägypten wurde Wein angebaut. Es waren allerdings die Griechen und die Phönizier, die den Weinbau auf geordnete Weise entwickelten und auch in ihren Kolonien einführten. Im Wesentlichen ist es diesen beiden Kulturen zu verdanken, dass der Weinbau in der westlichen Welt, vor allem in den Mittelmeerländern wie Spanien, Frankreich und Italien, bekannt und in späteren Jahren weiter entwickelt wurde.

Bis in unsere Tage erhaltene archäologische Funde bezeugen, dass die ersten Weinberge auf der Iberischen Halbinsel vor fast 3000 Jahren gepflanzt wurden. Mit Sicherheit ist in der Geschichtsforschung belegt, dass Griechen und Phönizier von 1100 bis 400 v. Chr. Handelspunkte entlang der Mittelmeerküste gründeten und sogar nach Cádiz, am Atlantischen Ozean, gelangten. Als die Karthager im 3. Jahrhundert v. Chr. den Küstenstreifen zwischen Sagunt und Cartagena eroberten, fanden sie einen florierenden Weinhandel vor.

Von den ersten Bewohnern der Gegend von Valdepeñas ist wenig bekannt. Wahrscheinlich erschienen sie im Quartär, die jüngste und gleichzeitig kürzeste Epoche der Erdgeschichte, in der die Ausbreitung des Homo sapiens begann. Die ältesten Daten, die uns zur Verfügung stehen, stammen aus der Zeit der Iberer.

Der Name, den Valdepeñas damals hatte, ist uns nicht überliefert. Die ersten Siedlungen wurden im 8. bis 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet und eine von ihnen liegt auf dem Hügel Cerro de las Cabezas, 7 km von der heutigen Stadt Valdepeñas entfernt. Es handelt sich um die wichtigste iberische Fundstelle in Kastilien-La Mancha, was uns eine Vorstellung von der Bedeutung der Region in jenen Zeiten vermittelt. Daher ist die Vermutung nicht abwegig, dass in Valdepeñas bereits 800 Jahre v. Chr. Wein angebaut wurde oder der Wein zumindest bekannt war. Die Weinkultur wurde wahrscheinlich von den ersten Völkerstämmen eingeführt, die vom Mittelmeerraum aus in die Region einfielen.

Es ist nachgewiesen, dass der Weinstock zwischen 1100 und 800 v.Chr. von den Griechen und Phöniziern auf die Iberische Halbinsel gebracht wurde. Mit den Iberern gelangten Gebräuche der mediterranen Zivilisation in die Region, die von den Ureinwohnern angenommen wurden. Wir wissen auch, dass die Siedlungen der Iberer in der Regel an Flussläufen errichtet wurden. Die Siedlung in Valdepeñas liegt am Hang eines Hügels neben dem Fluss Jabalón, was ihre Bedeutung als Bevölkerungszentrum einer landwirtschaftlichen Gegend bestätigt, in der auch Weinbau betrieben wurde. Dadurch wird auch die Meinung Hubrecht Duijkers bestätigt, der in seinem „Atlas der spanischen Weine“ bekundet, dass die Karthager im 3. Jahrhundert v. Chr. bei ihrer Landung an der Mittelmeerküste Spaniens auf der Halbinsel einen florierenden Weinhandel vorfanden.

Der geografische Bereich der heutigen Provinz Ciudad Real, zu der Valdepeñas gehört, war in der vorrömischen Zeit von Oretanern und Karpetanern bevölkert, wobei die ersteren in der heutigen Region Valdepeñas lebten. Die Anwesenheit dieser Völker ist durch die Schriften mehrerer griechischer und römischer Autoren belegt.Strabon, ein im 1. Jahrhundert v.Chr. in Amaseia (Kleinasien) geborener griechischer Geograf, erwähnt die Region und ihre Bewohner; Ptolemäus, ein griechischer Mathematiker, Astronom und Geograf, bezieht sich in seinen Schriften auf die Oretaner. Es können viele weitere Autoren erwähnt werden, darunter Plinius, Polybios und Livius. Jedenfalls ist es Ptolemäus, der Mitte desJahrhunderts n. Chr. in seinem Atlas „Geographike Hyphegesis“ ein ausführlicheres Verzeichnis der oretanischen Städte erstellt, in dem Miróbriga (geografische Koordinaten 9º30’/39°30’) enthalten ist. Dieser Name taucht neuerlich in dem Verzeichnis der im Jahre 1243 im Verwaltungsbezirk Valdepeñas zusammengefassten Ortschaften auf. Ein weiterer von dem griechischen Autor erwähnter Ort ist Lupparia, von dem angenommen wird, dass es die der heutigen Stadt Valdepeñas am nächsten gelegene Ortschaft war, zumal sie als solche von Titus Livius erwähnt wird.

Seltsamerweise wird von keinem dieser Autoren die Siedlung Acinippo erwähnt. Auf die Existenz einer Stadt dieses Namens lassen die Funde schließen, die im Jahre 1748 bei Restaurierungsarbeiten an der Kapelle des Hl. Nikasio, die sich am ehemaligen Standort des Trinitarierklosters in Valdepeñas befand, zu Tage traten. Es handelte sich um eine römische Grabstätte, auf deren Grabstein laut dem Übersetzer Aemilius Hubner das Wort „acinippo“ zu lesen ist, das dem Namen Lucius Acinippo entspricht. Auf dem Wappen dieses Römers ist eine von zwei Ähren flankierte Weintraube abgebildet, was auf die Bedeutung des Anbaus dieser Produkte in der Region schließen lässt. Andererseits stammt Acinippo etymologisch von dem griechischen Wort acinus, Weinbeere, ab. Ein weiterer Fund aus römischen Zeiten ist eine Votivtafel in Alhambra, eine der im Anbaugebiet der D.O. Valdepeñas gelegenen Gemeinden, die dem Gott Merkur gewidmet ist, der für die Römer äußerst wichtige Schutzgott der Händler und Reisenden.

Außerdem führten viele römische Verkehrswege von Toledo durch die Provinz Ciudad Real in Richtung Córdoba und weitere alternative Wege überquerten den Fluss Jabalón, was darauf schließen lässt, dass in der Gegend in jenen Zeiten eine aufstrebende Handelstätigkeit entfaltet wurde.

Angesichts der römischen Tradition des Genusses und des Anbaus von Wein und der beschriebenen Spuren der römischen Präsenz (Verkehrswege, eine Grabtafel mit dem Namen Acinippo, ein Wappen mit einer Weintraube, der Kult des Gottes des Handels) kann behauptet werden, dass Valdepeñas die Wiege des Weinbaus in Kastilien-La Mancha ist.

Den Römern sind bedeutende technische Errungenschaften und Fortschritte in der Rationalisierung der wirtschaftlichen Ressourcen zu verdanken. Aus jener Epoche stammen der Pflug und die Tonne (orca), dank derer der Getreide- und Weinanbau und die Aufbereitung des Weines verbessert wurden, zumal die Römer den Wein gärten.

Aus politischer Sicht verblieb Ciudad Real, und somit auch die Region Valdepeñas, seit der Regierungszeit des Königs Eurich unter dem Einfluss der Westgoten, was angesichts ihrer Lage als natürliches Durchzugsgebiet von Nord nach Süd logisch ist.

Die Gegend wurde zum Kriegsschauplatz seit König Leovigild seine Feldzüge gegen Córdoba (572) und gegen die in der Sierra de Cazorla gelegene Provinz Oróspeda (577) unternahm, mit denen die Herrschaft der Westgoten begründet wurde. Durch den späteren Aufstand Hermenegilds in Sevilla und den darauf folgenden Bürgerkrieg wurde die strategische Bedeutung der Region auf tragische Weise verdeutlicht. Diese Kriege führen zum Niedergang der Landwirtschaft und des Handels.Daher kann angenommen werden, dass das Überleben der Landwirtschaft in jenen Zeiten den Weinbergen zu verdanken ist, die nicht so leicht zu zerstören sind wie zum Beispiel Getreidefelder.

Zu den Auswirkungen der Kriege kamen die Naturkatastrophen, die sich während der Herrschaft der Westgoten wiederholten und vor allem die Land- und Viehwirtschaft bestraften. Die Gegend wurde ständig von Heuschreckenplagen heimgesucht, die von literarischen Quellen ausführlich dokumentiert sind.

Gregor von Tours erwähnt in seiner „Geschichte der Franken“, die um 584 entstand, dass sich im Gebiet von Carpetania (ehemaliges Territorium der Carpetani) seit fünf Jahren eine Plage ausbreite, die auch die benachbarten Provinzen betreffe und bis in den südlichen Bereich von Kastilien-La Mancha (geografische Lage von Valdepeñas) vordringe. Der Chronist übermittelt, dass die Situation so verzweifelt war, dass „kein Rebstock oder Baum, keine Frucht und kein Grashalm übrig war, der nicht von den Insekten aufgefressen wurde.“ Neuerlich wird die Rebe und somit der Wein erwähnt.

Der Untergang des Westgotenreichs im Jahr 711 ist mehr auf seinen inneren Verfall zurückzuführen als auf die Invasion der Mauren. Diese Dekadenz ermöglichte, dass König Tarik und seine Truppen nach ihrem Sieg in der Schlacht am Río Guadalete von Cazorla aus vorrückten und die Territorien der heutigen Provinz Ciudad Real einnahmen. Sie verblieben in ihnen bis sie im 11. und 12. Jahrhundert, durch innere Zwiste des arabischen Reichs geschwächt, von der Reconquista – die Rückereroberung durch die Christen – aus dem Gebiet vertrieben wurden. Die Region von Valdepeñas wurde zum Niemandsland, das ständigen Angriffen ausgesetzt war, die Leben, Besitztümer und Ackerland zerstörten.

Um zu erklären, wie der Weinbau in Valdepeñas unter maurischer Herrschaft trotz des im Koran verankerten strikten Alkoholverbots überleben konnte, müssen mehrere soziologische und kulturelle Faktoren in Betracht gezogen werden. Das einzige historische Ereignis, das in zahlreichen zeitgenössischen Veröffentlichungen erwähnt, aber von keiner von ihnen mit Beweisen untermauert wird, ist die Erteilung eines Ablasses seitens des Kalifen von Toledo, der dieser Weingegend die Herstellung von Wein erlaubt.

Der besagte Ablass ist mehr als fraglich (etwas stillschweigend tolerieren ist eine Sache, es offiziell genehmigen, eine andere) obwohl ihm eine rationelle Grundlage nicht abzusprechen wäre.

Es ist bewiesen, dass die Mauren den Einheimischen erlaubten, ihre landwirtschaftlichen Kulturen beizubehalten. Außerdem sind die Reben Pflanzen, die trotz vorübergehender Vernachlässigung neuerlich Produktion erbringen können. Dies war zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft dieser Gegend, die immer wieder kriegerischen Einfällen ausgesetzt war, von grundlegender Bedeutung. Die Felder wurden verlassen, von den auf ihnen gefochtenen Schlachten verwüstet oder vom Feuer vernichtet, um die Gegend in Armut zu stürzen und das Überleben in ihr unmöglich zu machen. In diesen Fällen überstanden die Reben die Zerstörung besser als andere Kulturen. Abgesehen davon sind den Mauren viele kulinarische Traditionen zu verdanken, Kochrezepte, die sie aus ihren Ursprungsländern mitbrachten oder in situ entwickelten. So zum Beispiel das Einlegen in Essig, der auch eine arabische Erfindung ist und, wie allgemein bekannt, das Ergebnis der Essigsäure-Gärung des Weines ist. Dazu kommen Safran (der auch heute noch in der Gegend angebaut wird), Zimt, Kümmel etc.

Einen glaubwürdigen Beweis für das nachsichtige Verhalten der Araber hinsichtlich des Weinanbaus in der Region liefert Atilano Martínez Tomé in seinen Schriften: Der Weinanbau wurde (unter der arabischen Herrschaft) im Süden trotz des Alkoholverbots beibehalten, das von den führenden Schichten der Anhänger Mohammeds in Al-Andalus nicht allzu genau genommen wurde. Der verfeinerte Lebensstil der gehobenen Schichten der arabischen Gesellschaft Spaniens verführte sie dazu, alles beizubehalten, was ihr Leben versüßen konnte. Der Historiker García de Valdeavellano bestätigt den ausschweifenden Lebensstil dieser Araber: Die Speisen waren üppig mit Honig, Rosinen und Öl gewürzt, zum Nachtisch wurden Süßigkeiten und Käse gereicht, der Wein wurde aus Steingutbechern oder Gefäßen aus Glas oder geschliffenem Kristall getrunken.

Die Rückeroberung der Region von Valdepeñas erfolgte im Rahmen der großen christlichen Offensive, die vom 11. bis 13. Jahrhundert dauerte. Mit dem Sieg König Alfons VIII. über die Almohaden in Navas de Tolosa gelangte Valdepeñas wieder unter christliche Herrschaft.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt sich die heutige Region Valdepeñas herauszubilden und zahlreiche Dokumente verweisen aufgrund ihrer Weine und Weinberge auf sie. So ist zum Beispiel dokumentiert, dass der heutige Landstrich Campo de Calatrava früher den Tempelrittern gehörte. Dies ist von großer Bewandtnis, da überall, wo die Tempelritter in Spanien ein Kloster oder eine Verteidigungsanlage gründeten, der Weinanbau eingeführt oder intensiviert wurde.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass auf dem Tisch der Trappisten trotz ihrer strikten Regeln – unter anderem die Pflicht, absolutes Schweigen zu bewahren und das Verbot, Fleisch oder Fisch zu essen – der Wein nie fehlen durfte, da gemäß dem biblischen Denken der Wein Fülle und Gefallen Gottes versinnbildlicht. Als sich diese Ordensgemeinschaft in der Gegend von Valdepeñas niederließ, führte sie den Wendepflug, die Verwendung von Pferden statt von Ochsen, das Düngen des Bodens und eine Rationalisierung des Weinbaus ein. Das heißt, dass die derzeitigen Weinbauflächen von Valdepeñas ihre Wurzeln in der Zeit der Zisterzienser haben. Die Tempelritter kamen im Jahr 1150 nach Valdepeñas. König Alfons VII überließ dem Tempelorden ausgedehnte Ländereien in der Region von La Mancha. In dem Dokument, mit dem die Übergabe besiegelt wurde, sind die Weinberge mit allen ihren Erbhöfen und Abgaben in der Höhe eines Fünftels der Erträge an Brot und Wein angeführt.

Ab diesem Zeitpunkt besteht eine Analogie zwischen den Weinbergen von Valdepeñas und Burgund, auf die verschiedene Autoren anspielen. Unter anderem Raymond Dumay in seinem Buch La Mort du vin (Der Tod des Weines), das den Zisterzienserweg beschreibt, den der Mönch Raimod de Citeaux, Gründer des Ordens von Calatrava, zurücklegte. Der Weg beginnt in der Abtei von Vougeot in Burgund und führt durch die Region Haute-Loire, Bergerac, Navarra, Rioja, Valbuena del Duero, Calatrava und Valdepeñas.

Die Geschehnisse versetzen uns in das 13. Jahrhundert, konkret in das Jahr 1243. Berenguela von Kastilien schloss mehrere nahe beieinander liegende Ortschaften zu einem Verwaltungsgebiet zusammen, das Valdepeñas genannt wurde. Es wird angenommen, dass dieser Name sprachgeschichtlich auf Valle-de-peñas (Felsental) zurückgeht.

Die Königin von Kastilien und León fasste diese Entscheidung aufgrund ihrer zahlreichen Fehden mit dem Adel und den Ritterorden, die ihr die Regentschaft nach dem Tode ihres Bruders Heinrich I. streitig machten, und denen erst durch ihre Abdankung zugunsten ihres Sohnes, Ferdinand III., genannt der Heilige, ein Ende gesetzt wurde. Ab dem 13. Jahrhundert werden Valdepeñas, der dazugehörige Landkreis und die Weinberge oftmals schriftlich erwähnt. Aus diesem Jahrhundert stammen die Aufzeichnungen über Missernten aufgrund von Frost, Trockenheit, Hagel etc. Ab dem 13. Jahrhundert wurde zunehmend Wein angebaut, während der Getreidebau zurückging. Daher ist die Landschaft von Valdepeñas nicht von den für La Mancha typischen Windmühlen geprägt.

Die Arbeit in den Weinbergen ist zwar hart und langwierig (wiederholte Bodenbearbeitung, Rebschnitt etc.), bei der Lese werden viele Arbeitskräfte benötigt und die Verarbeitung der Trauben zu Wein erfordert ein gewisses Fachwissen, jedoch werden diese Mühen, wie Francisco Ruiz Gómez* anführt, mit einem regelmäßigen Ertrag und der unkomplizierten Vermarktung der überschüssigen Produktion belohnt. Ricardo Izquierdo Benito* schreibt in seiner Abhandlung über „Die Bewirtschaftung des Territoriums und die Verteilung der feudalen Einnahmen in der Provinz Ciudad Real“: Im Mittelalter erlangte der Weinbau besondere Bedeutung. Möglicherweise war bereits eine gewisse Tradition vorhanden, aber gegen Ende des 13. Jahrhunderts verstärkte sich die Pflanzung von Rebstöcken, die zum Schutz umzäunt wurden, ebenso wie die Wiederbevölkerung. Das Wachstum der Weinpflanzungen erfolgte parallel zu einer zunehmenden Nachfrage, die vor allem auf einen höheren Weinkonsum in den Städten zurückzuführen war.

Daher wurden immer größere Flächen von Weinpflanzungen eingenommen, die in a ranzadas, ein nur für Weinberge verwendetes, 400 Rebstöcke umfassendes Feldmaß, gemessen wurden. Die Notwendigkeit, die lokale Weinproduktion zu fördern, führte zu einem gewissen Protektionismus, der die Einfuhr von Weinen aus anderen Gegenden erschwerte. In vielen cartas pueblas (Urkunden der Gemeinderechte) wurde die Fläche angegeben, die jeder der neu angesiedelten Gemeindebewohner dem Weinbau widmen musste, um in den Genuss gewisser Steuererleichterungen zu kommen. Dies begründet das Vorhandensein von Weinkellern, Weinpressen und Fässern in vielen landwirtschaftlichen Betrieben. Die Bedeutung des Weinbaus im Landstrich Campo de Calatrava ist durch zahlreiche Dokumente belegt. So zum Beispiel die Aufzeichnung der Präbenden, die der Orden im 15. Jahrhundert aus seinen Kommenden erhielt und die im Jahr 1493 für die Komturei Valdepeñas 137.000 Maravedis (altspanische Münze) betrugen. Die Präbenden wurden mittels alcabalas (eine Umsatzsteuer in der Höhe von 10% des Ertrags der Verkäufe) und tercias (zwei Neuntel des Kirchenzehntners des landwirtschaftlichen Ertrags) eingenommen. Die uns überlieferten Einnahmen des Ordens von Calatrava beruhen auf verschiedenen Konzepten, und in allen ist der Weinbau enthalten. So konnten die Einkünfte aus der Verpachtung von Land (Getreide, sonstige Feldfrüchte, Oliven, Wein) stammen, aus feudalen Rechten (auf Naturalien, Unterkunft, Öfen, Vorverkauf des Weins etc.) oder aus Zehnten (auf Brot oder Getreide, Kichererbsen, Wein etc.), oder aus einer der sonstigen zahlreichen Abgaben.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts konsolidierte und entwickelte sich die Weinwirtschaft in Valdepeñas. Die Weine aus Valdepeñas, die bereits am Hof der Habsburger bekannt waren, begannen sich in Madrid zu verkaufen, zumal Philipp II. die Stadt 1561 zur Hauptstadt des Königreichs erklärte. Wenige Jahre später, im Jahr 1594, wird dem Wein von Valdepeñas in einem Protokoll des Trinitarierordens Ehre gezollt.

Die finanziellen Schwierigkeiten, die in späteren Jahren Karl III. viel Kopfzerbrechen bereiteten, war eines der Probleme, denen sich auch Philipp II. stellen musste. Aus diesem Grund sah er sich genötigt, Valdepeñas dem Marquis von Santa Cruz, Alvaro de Bazán, zu verkaufen. Um diese Entscheidung umzusetzen diktierte der Monarch am 21. Mai 1582 einen königlichen Erlass, mit dem der Orden von Calatrava das Eigentum an Valdepeñas verlor,und verkaufte die Region am 22. April 1585 für die Summe von 104.895 Reales und 8 Maravedis an Alvaro de Bazán.

Seit ihrer Rückeroberung durch die Christen war die Region ein Getreideland, der alternative Weinbau in und um Valdepeñas war eine Neuheit, die sich später auf die ganze Gegend ausbreitete. In Valdepeñas machten die Weinberge 20% der Anbauflächen aus.

Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich der Weinbau zur Monokultur. J. López Salazar weist darauf hin, dass der Anbau von Weinreben signifikant zur Privatisierung des gemeinschaftlich genutzten Bodens beitrug, da die Weinberge als dauerhafte Pflanzungen angesehen wurden.

Mit dem Rückgang der angebauten Flächen imJahrhundert wurden viele brach liegende oder sporadisch genutzte Felder mit Reben bepflanzt, die solide Erträge einbrachten. Angesichts der steigenden Nachfrage in Madrid förderten zahlreiche Gemeinderäte ihren Anbau, um sich von den lästigen Nutzungsrechten der Viehbauern zu befreien.

Der Weinbau war eine Ergänzung der Agrarwirtschaft. Er erforderte weder eine jährliche Aussaat noch übermäßig viele Arbeitskräfte, die Arbeiten im Weinberg aber auch andere Beschäftigungen erlaubten, und er gewährleistete Sicherheit, da er nicht so stark von den klimatischen Bedingungen abhängig war. In diesen Jahren wurden die Grundfesten für die spätere spektakuläre Entwicklung gelegt.

Es gibt viele Zeugnisse des wirtschaftlichen Aufschwungs, den Valdepeñas in jenen Jahren dank des Weines erlebte. Einerseits stammen sie von Reisenden (von denen an einer anderen Stelle die Rede ist), andererseits sind sie aufgrund wirtschaftlicher Transaktionen vorhanden. So zum Beispiel eine königliche Verordnung Philipps IV. aus dem Jahre 1625, mittels der dem Komtur der Schlüsselmeisterei angeordnet wird, dem Kloster von Calatrava 1200 Arrobas (ein spanisches Flüssigkeitsmaß und Gewicht) Wein aus Miguelturra auszuzahlen.

Sollte er dies nicht tun, habe die Zahlung mit Wein aus Valdepeñas zu erfolgen.Im Jahr 1790 bescheinigt der Bürgermeister der Stadt Valdepeñas, Antonio Mesías de la Puerta, eine Weinproduktion von 200.000 Arrobas.Karl III., der als bester Bürgermeister von Madrid bezeichnet wird, verwendet die auf den Wein erhobenen Steuern zur Modernisierung der Hauptstadt.Aufgrund des blühenden Weinhandels, den Valdepeñas mit Madrid betrieb, wurden die Stadttore Puerta de Alcalá und Puerta de Toledo zum Teil mit den Weinen dieser Region finanziert.

Um die Qualität der Weine aus Valdepeñas in jener Zeit zu beurteilen, soll eine Anekdote herangezogen werden, die der englische Reisende und Schriftsteller Richard Ford in seinem Buch Gatherings of Spain (Notizen über Spanien) verewigte: Die besten Weinberge und Kellereien sind die von Don Carlos und die des Marquis von Santa Cruz. Folgende Anekdote über letzteren macht die traditionelle Schlampigkeit der Spanier und ihre extravagante Arbeitsweise deutlich. Dieser echte Patrizier (der Marquis), eines der distinguiertesten Mitglieder der Aristokratie, ebenso aufgrund seines Ranges wie seines Talents, dinierte eines Tages mit einem ausländischen Botschafter in Madrid. Dieser Herr war ein großer Enthusiast der Weine aus Valdepeñas (wie es alle vernünftigen Leute sein sollten) und scheute keine Mühe, um diese unvermischt zu erlangen. Daher sandte er Vertrauenspersonen mit Fässern nach Valdepeñas, um seine Weine zu holen. Als der Marquis den ersten Tropfen kostete, rief er überrascht: „Ein großartiger Wein! Wie stellen Sie es an, ihn in Madrid zu beziehen?“ Der Diplomat antwortete: „Er wird mir von Ihrem Verwalter in Valdepeñas geliefert. Wenn Sie wünschen, kann ich Ihnen gerne etwas davon beschaffen.“

Das 19. Jahrhundert läutete den wirklichen Aufschwung und die industrielle Entwicklung von Valdepeñas ein. Dies ist auf verschiedene in diesem Jahrhundert zusammenfallende Faktoren zurückzuführen.

Im politischen Bereich erlebte Valdepeñas historische Ereignisse von großer Tragweite. Am 6. Juni 1808 leisteten die Einwohner Valdepeñas den französischen Truppen bei ihrem Versuch, die Stadt auf ihrem Vormarsch gegen Bailén zu durchqueren, Widerstand. Die von General Ligier kommandierten Truppen konnten diesen Widerstand nicht brechen und mussten einen Umweg machen.

Diese den Einwohnern von Valdepeñas zu verdankende Verzögerung, zusammen mit einigen anderen Faktoren, gab dem General Castaños genügend Zeit, um das spanische Heer wieder zu sammeln. Er besiegte die Franzosen in der Schlacht von Bailén, die den Auftakt zur Vertreibung der napoleonischen Truppen aus Spanien gab.

Gegen Mitte des Jahrhunderts wurde der Weinbau zur Monokultur und somit zum Grundpfeiler der Wirtschaft. Dies wurde durch den Umstand verstärkt, dass in diesen Jahren kaum Wein aus Frankreich importiert wurde, da die französischen Weinberge von einer Reblausplage verwüstet wurden. Die Folge war eine große Nachfrage nach Weinen anderer Erzeugerländer, zu denen Spanien zählte, und logischerweise auch nach den Weinen aus Valdepeñas.

Die Weinnachfrage dieser Jahre brachte die Industrialisierung der Branche mit sich. Tatsächlich war in diesem Jahrhundert die Weinindustrie in der Provinz Ciudad Real der am höchsten entwickelte Wirtschaftszweig, und der Großteil der Produktion, ebenso von Wein wie von Alkohol, war für den Export bestimmt.

Wie man sieht, war es dem Weinbau zu verdanken, dass Valdepeñas Zugang zur industrialisierten Marktwirtschaft sowie zum Handels- und Kapitalmarkt erlangte.

Der Höhepunkt des Jahrhunderts war der Bau der Eisenbahn, die im Jahr 1861 die Stadt Valdepeñas erreichte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Weinindustrie eine derartige Bedeutung erlangt, dass der sogenannte „Weinzug“ geschaffen wurde, der täglich mehr als 25 beladene Wagons mit über 100 Weinhäuten von Valdepeñas nach Madrid beförderte.

Zu dieser Eisenbahnlinie kamen die Zweiglinien in die verschiedenen Provinzen. So konnte der Wein von Valdepeñas bis nach Valencia oder Alicante transportiert und von dort aus nach Kuba, auf die Philippinen und nach Zentralamerika verschifft werden. Dieser kommerzielle Aufschwung führte zur Gründung bedeutender Weinkellereien in der Nähe der Eisenbahnlinie. Einige von ihnen behalten auch heute noch ihren ursprünglichen Standort bei. Die damals relevantesten Kellereien waren die Bodegas Luis Palacios, die täglich bis zu 2.500 Weinhäute nach Madrid lieferten, die Bodegas Bilbaínas, die eine eigene Zweiglinie von ihrer Kellerei zum Bahnhof besaßen, und die Bodega von Tomás López Tello, deren Weinen der Schriftsteller Joaquín Belda im Jahr 1929 lobende Worte widmete. Erwähnenswert ist auch der Weißwein aus dem Weinberg San Ramón und der Brandy Canalejas.

Während im 19. Jahrhundert die auf jahrhundertelangen Traditionen beruhenden Grundfesten für das Wachstum von Valdepeñas gelegt wurden, erlitt die Region im 20. Jahrhundert schmerzliche Rückschläge. Einerseits war Valdepeñas, wie ganz Spanien, von den gesellschaftlichen Umwälzungen und Erschütterungen betroffen, andererseits wurde die Region von einer Reblausplage heimgesucht.

Die Reblaus fiel im Jahr 1900 über Valdepeñas her. Das Vordringen dieses Schädlings, der 30 Jahre vorher die Weinberge Europas befallen hatte, wurde durch die sommerliche Hitze der Meseta verlangsamt.

Die geschädigten Bereiche wurden umgehend mit amerikanischen Reben neu bepflanzt, die gegen diese Insekten immun waren, ausgedehnte Weinberge gingen allerdings verloren. Die Weinhersteller wussten sich jedoch den Aufschwung zunutze zu machen, den die neuen Weinpflanzungen mit sich brachten. Der Wein aus Valdepeñas erlangte eine differenzierte Identität und war bald ein in allen Schenken von Madrid gefragtes Produkt.

Die von der Reblaus ausgelöste Krise führte zu einer weitgehenderen Sensibilisierung und zu technologischem und wissenschaftlichem Fortschritt. Daher und aufgrund der Bekanntheit der Weine schuf das damalige Entwicklungsministerium in Valdepeñas das erste önologische Forschungsinstitut (Estación Enológica y Campo de experimentación). 1925 wurde unter dem Vorsitz des Marquis von Casa Treviño der regionale Winzerbund (Federación Regional de Viticultores) gegründet. Zusätzlich wurde 1928 zum Schutz und zur Förderung der Weine von Valdepeñas die Weinhandelskammer (Círculo Mercantil Vitivinícola) geschaffen. Ihre verschiedenen Maßnahmen führten dazu, dass am 1. Mai 1930 der Regionalrat des Weinbausektors (Junta Regional Vitivinícola) seinen Sitz in Valdepeñas festlegte. Obwohl die heutige Herkunftsbezeichnung erst späteren Datums ist, war die D.O. Valdepeñas bereits im spanischen Weingesetz von 1930 enthalten.